Wir trauern um Andy Rihs

Andy Rihs

Ein grosses Herz hat aufgehört zu schlagen. Andy Rihs hat uns für immer verlassen, und es fällt uns ausserordentlich schwer, dies zu verstehen und zu akzeptieren. Mit Andy verlieren wir nicht nur einen sehr guten Freund, Visionär und äusserst kreativen Geist, sondern auch einen vielseitigen und leidenschaftlichen Unternehmer, der Sonova geprägt hat wie kein anderer.

Am 2. November 1942 wurde Andy als drittes von vier Kindern geboren und wuchs am Zürichsee auf. Nachdem sein Vater 1966 der Ansicht war, dass es nun an der Zeit wäre, einer «seriösen» Arbeit nachzugehen und nicht zu sehr das Leben in Paris zu geniessen, schloss sich Andy seinem Weggefährten Beda Diethelm an und trat in die AG für Elektroakustik ein. Zusammen mit seinem Bruder «Jöggi» Rihs haben die drei Pioniere die Firma Phonak, die heutige Sonova, aufgebaut und geprägt. Das Unternehmen hat sich rasch erfolgreich entwickelt und musste von Hombrechtikon zuerst nach Zürich, dann nach Feldmeilen und schliesslich nach Stäfa ziehen, um genügend Platz für die Expansion zu haben.

Wir alle kannten Andy als sehr nahbaren und humorvollen Menschen mit grossen Visionen und ambitionierten Zielen. Er verstand es, Geschäftspartnern und Mitarbeitenden eine Perspektive zu geben, sie zu inspirieren und zu motivieren. Er scheute sich nicht, die nötigen unternehmerischen Risiken einzugehen, um die nächste Stufe zu erklimmen. Es ging ihm auch nie darum, kleine Brötchen zu backen. Und wenn einmal etwas nicht auf Anhieb gelingen wollte, war genau dies der Ansporn, den er brauchte, um es erneut zu probieren – um dann beim zweiten Anlauf die Hürde erfolgreich zu meistern.

Natürlich kommen da sogleich Erinnerungen an die Meilensteine auf, die stark mit Andy zusammenhängen: Der Beginn in bescheidenem Umfeld, zahlreiche Innovationen für Hörlösungen wie z.B. das erste volldigitale Hörgerät Claro und die Gründung der Phonak Communications. In den 80er-Jahren wurde der Aufbau der ersten ausländischen Vertriebsgesellschaften angepackt, und der Gang an die Börse erfolgte im Jahr 1994, weil es an Geld für Investitionen fehlte. In den 90er-Jahren dann der erste Schritt im Retail mit eigenen Hörakustikergeschäften, und kurz nach 2000 wurde mit dem Aufbau der Produktionsstätten in Asien begonnen. Vor bald zehn Jahren schliesslich stiess die Gruppe in den Bereich Cochlea-Implantate vor.

«I did it my way» – dieses Motto trifft den Nagel auf den Kopf. Andy Rihs dachte unkonventionell, in anderen Dimensionen und Zeitabschnitten als andere. Wenn es um Innovation ging, hatte er den Ehrgeiz, dass seine Firma einen so dynamischen Rhythmus vorlegte, der die Technologie-Führerschaft manifestierte. Er schuf eine Arbeitskultur des Vertrauens, die jeden Mitarbeitenden gleichermassen wertschätzte. Bei allem, was er tat, hob er immer wieder hervor, dass er das, was er von anderen fordere, selber eigentlich gar nicht könne; sondern dass er vielmehr auf die richtigen Leute angewiesen sei. Sein bekannter Slogan «ohni Lüt gaht nüt» war deshalb mehr als nur eine nette Redewendung – es war DER Slogan, der die Firmenkultur bestimmte: Man sah sich als Team, das zusammen etwas Grosses erreichen wollte. Der heutige «Sonova-Spirit» ist in diesem Sinne auch der «Andy-Spirit», und bis heute ist der Slogan ein viel verwendetes geflügeltes Wort bei Sonova.

Phonak, respektive später Sonova, hat sich zu einem sehr erfolgreichen und marktführenden Unternehmen mit inzwischen mehr als CHF 2,5 Milliarden Umsatz und weltweit über 14‘000 Mitarbeitenden entwickelt. Dazu hat Andy während fast 50 Jahren mit viel Energie und Überzeugung, davon während vielen Jahren als CEO und Verwaltungsratspräsident, einen grossen Beitrag geleistet.

Als Unternehmer mit Leib und Seele begleitete Andy aber auch viele andere Firmen in ganz verschiedenen Branchen, darunter viele Startups, sei es als geistiger Vater oder als langfristig orientierter Investor. Sein Witz und Optimismus, seine Lebensfreude und Risikobereitschaft haben uns alle immer wieder angesteckt und herausgefordert. Er verstand es aber auch, das Erreichte gemeinsam zu feiern. Zugegebenermassen konnte man sich auch von seiner Geniesser-Seite anstecken lassen. Nach vollbrachter Leistung, z.B. einer Velotour auf den Mont Ventoux in der Provence, galt es, dies abends gebührend in seinem Hotel La Coquillade bei ausgezeichnetem Wein zu feiern.

Seine unternehmerische Leidenschaft lebte er nicht nur im Geschäftsalltag aus. Als Sportmäzen engagierte er sich mit viel Enthusiasmus im Radsport und Fussball. Er sagte mir vor wenigen Tagen, er würde sich wünschen, an dem Spiel von YB dabei sein zu können, an dem der Meistertitel definitiv errungen wird. Und ebenso erhoffte er sich, dass einer seiner Fahrer vom BMC Radteam die diesjährige Tour de France gewinnen würde.

Leider hat ihn seine Kraft verlassen, und so können wir nur hoffen, dass auch ohne sein Beisein seine Wünsche in Erfüllung gehen – er hätte es mehr als verdient.

Ich bin mir sicher: Sein Spirit wird weiterleben.

Robert Spoerry, Verwaltungsratspräsident von Sonova