Luchse: Räuberisch gut hören mit Pinseln

 

Luchse: Räuberisch gut hören mit Pinseln

Die guten Augen des Luchses sind bekannt. Das Katzentier kann aber auch sehr gut hören. Ihr Haarwuchs an den Ohren funktioniert ähnlich wie ein Richtmikrofon. Wissenschaftler lassen sich deshalb bei der Suche nach technischen Anwendungen im Hörgerätebereich von den Luchsohren inspirieren.

Jemand hat Augen wie ein Luchs, heißt es immer. In der Tat ist die Sehfähigkeit des Katzentiers legendär. Aber auch der Hörsinn ist hoch spezialisiert: Neben den besonders scharfen Augen ist er auf der Jagd nach Mäusen und anderen Kleinsäugern der wichtigste Orientierungssinn des Luchses.

Auf den ersten Blick wirken die Ohren sehr spitz, dabei sind es bei näherem Hinsehen die Haarpinsel, die der Luchs jeweils an den Seiten trägt. Die genaue Rolle der langen Haare an den Ohren wird immer noch erforscht. Auffällig ist, dass alle anderen Katzenarten ohne diese Pinsel auskommen. Sie könnten als Wind-Sensoren dienen oder zur Kommunikation zwischen den einzelnen Luchsen, da ist sich die Wissenschaft noch nicht ganz einzig. Sicher erkannt haben Forscher hingegen die Schallfunktion der Ohrenbehaarung: Sie funktioniert ähnlich wie eine Antenne  und lenkt den Schall in die Richtung der Gehörgänge. Das funktioniert so gut, dass er Geräusche wahrnimmt, die einen ganzen Kilometer weit weg sind.

„Ähnlich wie bei der Schleiereule ist auch der Luchs ein Tier mit einer sehr guten Fähigkeit, Schallquellen zu lokalisieren“, erklärt Sonovas Experte in Sachen Hörforschung Stefan Launer, Senior Vice President Science & Technology. „Die Funktion des Aussenohrs hat uns dazu inspiriert, die Wirkung des Aussenohrs bei der Lokalisation, insbesondere das Erkennen von vorn und hinten, zu verbessern.“ Dass die Ohren ähnlich wie ein Richtmikrofon funktionieren, hat Wissenschaftler und Ingenieure dann auch dazu gebracht, sogenannte Richtmikrofon-Systeme zu entwickeln. „Diese erlauben es, Schallquellen präzise zu orten und störende Geräusche vom gewünschten Zielsignal zu trennen“, führt Stefan Launer aus.

Auf die Träger von Hörgeräten der Sonova Marken Phonak und Unitron übertragen, bedeutet die Anwendung dieses Prinzips ein grosses Plus an Lebensqualität: Sie können etwa einzelne Sprecher in Situationen mit diffusen Geräuschquellen viel besser verstehen. Dahinter steht bei Phonak zum Beispiel die StereoZoom-Technologie in den Hörgeräten: Durch die Multimikrofon-Technologie können diese sehr effektiv zwischen ge- und unerwünschten Signalen unterscheiden. Bei der Technik kommt wiederum die Binaural VoiceStream Technology™ zum Einsatz: Durch das Austauschen vollständiger Audiosignale arbeiten die Mikrofone beider Hörgeräte zusammen und fokussieren sich auf Signalquellen von vorne, Störgeräusche aus anderen Richtungen werden minimiert.