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Eine Klinik für alle Malawier

 

Edgar bekommt seine ersten Hörgeräte – ein grosser Tag für den kleinen Jungen!

Edgar bekommt seine ersten Hörgeräte – ein grosser Tag für den kleinen Jungen!

Malawi gehört zu den ärmsten Ländern der Welt. Dort hat die Hear the World Foundation, eine Initiative der Sonova Gruppe, ein umfassendes Hilfsprojekt ins Leben gerufen, das eine zentrale Bedeutung für die Gesundheitsversorgung des gesamten Landes hat.

Erst hört man nur ein diffuses Geräusch, dann schälen sich aus dem Blubbern einzelne Worte heraus. Der kleine Edgar lacht laut, dann noch lauter. Er kann gar nicht fassen, dass er wieder hören kann. Endlich, nach vier langen Jahren!

Damals erkrankte er an Malaria, und die Behandlung mit dem ototoxischen Chinin wurde ihm zum Verhängnis. Chinin ist, neben HIV-Infektionen, lärminduzierte Hörverluste etwa aus Mangel an Gehörschutz, chronischen Mittelohrentzündungen und deren falscher Behandlungen, eine der Hauptursachen für den Hörverlust in Malawi.

Edgar hat grosses Glück gehabt. Nicht nur, weil sein Grossvater sich wunderte, dass sein Enkel in der Schule immer schlechter wurde, und erkannte, dass das an einem Hörverlust liegen musste. Die Familie hätte sich aber keine Hörgeräte für den Jungen leisten können. So war es ein doppelter Glücksfall, dass die Hear the World Foundation die Geräte stellte und Edgar in der ABC Hearing Clinic behandelte.

Möglich ist das, weil die Initiative der Sonova Gruppe dieses langfristige und nachhaltig angelegte Projekt fördert. Und so dazu beiträgt, die Vision des Unternehmens umzusetzen: Eine Welt zu schaffen, in der jeder in den Genuss des Hörens kommen und so ohne Einschränkungen leben kann.

Angefangen hat alles 2010, als die gemeinnützige Organisation EARS begann, eine audiologische Versorgung in Malawi auf solide Füsse zu stellen: Weil es keine Audiologen im Land gab, reisten die Mitarbeiter quer durch Malawi und versorgten an Schulen jene Kinder mit Hörverlust, für die eine Fahrt in die Hauptstadt Lilongwe unbezahlbar war. Möglich wurde das erst durch die Hear the World Foundation, die einen Audiotrailer mit Hörkabinen stellte: Seit 2011 unterstützt die Stiftung das Engagement finanziell und personell mit der Unterstützung von Volunteers sowie der Vergabe von neuen Hörgeräten.

Hilfe für Menschen im ganzen Land

Der Meilenstein, der auch Edgar die Behandlung ermöglichte, folgte 2013 mit der Eröffnung der ABC Hearing Clinic, die erste audiologische Klinik, die es im Land je gegeben hat. Zwei Jahre später folgte eine weitere Klinik in Blantyre im Süden des Landes. Nun hat Malawi also zwei Hörkliniken – das Engagement der Hear the World Foundation ist somit entscheidend für die audiologische Versorgung im ganzen Land.

Nach den audiologischen Messungen und der Anfertigung der Otoplastik erhält Edgar an der ABC Hearing Clinic seine ersten Hörgeräte. Mit seiner Freude über die neue Welt der Klänge steckt er sogar die Audiologin Tiwa an, die trotz des zeitweiligen – und üblichen –Stromausfalles die Anpassung vornimmt. „Ich bin so froh und dankbar, dass Edgar wieder hören kann! Nun hoffen wir ganz fest, dass sich auch seine Schulleistungen wieder verbessern“, sagt der Grossvater.

Im Rahmen der Nachversorgung  werden die Audiologen Edgars Hörvermögen in den kommenden Monaten wiederholt in einer schalldichten Hörkabine mittels Spielaudiometrie testen. Dank der Unterstützung der Hear the World Foundation verfügt die Klinik auch über Messinstrumente wie OAEs (zur Messung der otoakustischen Emissionen) oder ABRs (zur Messung der auditory brainstem responses). Dazu hat die Stiftung ein kleines Labor finanziert, wo die Ohrpassstücke direkt vor Ort gefertigt werden können. So werden jährlich rund 2 000 Menschen untersucht und mehr als 400 Hörgeräte angepasst.

Hilfe auch in entlegensten Winkeln

Dank der Hear the World Foundation können jetzt aber auch Patienten in den entlegensten Gebieten auf eine Versorgung zählen. Regelmässig reist das Klinikteam mit dem Audiotrailer quer durchs Land, um Schulen, abgelegene Kliniken und auch Flüchtlingscamps zu besuchen. Einmal im Monat geht es beispielsweise nach Kasungu zwei Stunden von Lilongwe entfernt. Vor dem dortigen St. Andrews Hospital warten Kinder und Familienangehörige geduldig im Schatten des Wellbleches. Die meisten haben durch Mundpropaganda von der audiologischen Versorgung gehört und viele Kilometer zu Fuss oder mit dem Fahrrad zurückgelegt. Während die ABC Klinik den nördlichen Teil des Landes abdeckt, kümmert sich die Klinik in Blantyre um die südliche Region.

Gleich Morgens beginnt das Team in Kasungu mit den ersten Untersuchungen, bei denen oft Cerumen entfernt und Medikamente gegen Innenohrinfektionen verabreicht werden. Um 14 Uhr gönnen sie sich eine Pause, auch die Wartenden werden mit Essen vom Spital versorgt. Bis um 17 Uhr wird gearbeitet, danach schliesst das Hospital, und die Menschen, die ausgeharrt haben, stehen am nächsten Tag wieder in der Reihe.

Meilenstein: Das Neugeborenen-Screening

Einer der Audiologen ist Chiponde Kamuzu, er ist unter anderem für das Screening von Neugeborenen zuständig: Seit Ende 2016 werden in der ABC Community Clinic täglich neugeborene Babys gescreent. Kamuzu ist mit Geduld und Bedacht bei der Sache, und berät auch die Eltern zum Thema Hören. Das benötigte Equipment stellt die Hear the World Foundation zur Verfügung, das Personal wird an der Klinik entsprechend geschult. Ausserdem wurde ein Abkommen zum Neugeborenen-Hörscreening mit dem Kamuzu Central Hospital, dem grössten Krankenhaus in Lilongwe geschlossen – „ein schöner und wichtiger Schritt für die Hörgesundheit in Malawi“, sagt Elena Torresani, Geschäftsführerin der Hear the World Foundation. Nach und nach will man das Angebot ausbauen, um schliesslich an möglichst vielen Geburtskliniken Neugeborenen-Screenings anbieten und die Babys bei Auffälligkeiten an eine der beiden Hörkliniken überweisen zu können.

Für die Screenings in Lilongwe spendete die Stiftung dem Spital ein OAE-Gerät. Weitere zwei OAEs sollen helfen, das Neugeborenen-Hörscreening auch in anderen Kliniken zu etablieren. Dank der Früherkennung von Hörverlusten wird die pädaudiologische Versorgung in Malawi so entscheidend verbessert. „Unser Ziel ist es, Babys mit Hörverlust so früh als möglich zu identifizieren und sie sobald als möglich hörmedizinisch zu versorgen. Das ist ein Meilenstein in der audiologischen Versorgung in Malawi“, erklärt Ora Buerkli, Mitglied des Stiftungsrates von Hear the World.

Eine Klinik von Malawiern für Malawier

In Zukunft soll das Team der ABC Hearing Clinic noch selbstständiger arbeiten. Die Experten aus dem Ausland kehren in ihre Heimat zurück, das australische Management kann sich aus dem Alltagsgeschäft zurückziehen und die Klinik dem lokalen Management übergeben – die finanzielle, materielle und fachliche Unterstützung durch die Initiative der Sonova Gruppe bleibt bestehen.

„Malawi ist ein sehr schönes Beispiel, das zeigt, was man über mehrere Jahre hinweg erreichen kann. Man muss Geduld haben in dieser Arbeit und keine schnelle Resultate erwarten. Ich hoffe, dass wir unsere Arbeit so fortsetzen können wie bisher. Bedarf gibt es genug“, sagt Elena Torresani. Und tatsächlich werden die Fachkräfte wiederkommen. Auch, um die nächste Generation der Audiologen, die im August ihre Ausbildung begonnen haben, zu begleiten. Für eine qualitativ hochwertige und nachhaltige audiologische Versorgung in Malawi sind lokale Experten entscheidend. „Wir sind Malawier, niemand versteht die Malawier so gut wie wir. Wir freuen uns daher sehr, dass wir uns nun selber um unsere Leute kümmern können“, sagt Fletcher Chisalipo, Audiologe an der ABC Hearing Clinic.

Fletchers Begeisterung für die Audiologie und die Arbeit der ABC Hearing Clinic ist spürbar. Er hat an der Universität Manchester einen Master in Audiologie absolviert, finanziert von der Hear the World Foundation. Eine Investition, die sich auszahlt. „Wir wollen mit unserer Unterstützung dazu beitragen, dass das audiologische Wissen im Land bleibt und Früchte trägt, und eine nachhaltige und qualitative Versorgung in Malawi mit lokalen Experten sicherstellen“, sagt Elena Torresani. „Die Entstehung qualifizierter und zukunftsträchtiger Arbeitsplätze vor Ort ist ein willkommener Zusatzeffekt.“

 

Weitere Informationen

Hear Malawi Website