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Cochlea-Implantate und Sprachtherapie für Kinder in Vietnam

Für Kinder mit hochgradigem Hörverlust sind Cochlea-Implantate oft die einzige Möglichkeit, um hören zu können. Die Technologie ist aber beispielsweise in Vietnam kaum erschwinglich. Dort hat die Hear the World Foundation nun mit Volunteers von Sonova und mit Partnerorganisationen ein wegweisendes Programm ins Leben gerufen.

Die Spannung ist fast greifbar im kleinen Untersuchungszimmer im Kinderkrankenhaus von Hanoi. Lange haben die Eltern von Tung Lam diesem Moment entgegen gefiebert. Vor fünf Wochen setzten die Ärzte ihrem Sohn operativ ein Cochlea-Implantat von der Sonova Marke Advanced Bionics ein. Heute ist der grosse Tag der Aktivierung: Experten von Advanced Bionics und Sonova Vietnam sind dafür nach Hanoi gereist. Sie engagieren sich ehrenamtlich für Hear the World, eine Initiative der Sonova Gruppe. Zusammen mit der Global Foundation for Children with Hearing Loss (GFCHL) haben sie den Moment präzise vorbereitet und begleiten nun die Aktivierung des Implantats durch vietnamesische Ärzte.

Die Elektrode, die in der Hörschnecke (Cochlea) eingesetzt wurde, kann jetzt elektrische Signale an den Hörnerv weiterleiten – und der sendet dann wiederum Impulse an das Gehirn, das diese als Klänge erkennt. Die Nervosität bei den Eltern steigt. Wird ihr Sohn endlich hören? Wird er später ein Leben ohne Einschränkungen führen können? Es vergehen einige Sekunden, in denen Tung Lam noch etwas verwirrt umherschaut, dann aber strahlt der Dreijährige übers ganze Gesicht. Zum ersten Mal hört er deutlich die Stimmen seiner Mutter und seines Vaters. Die Erleichterung steht den Eltern ins Gesicht geschrieben. In diesem Moment wissen sie, dass ihr Sohn die Chance auf eine Zukunft wie jedes andere Kind hat. Tung Lam soll so gut sprechen lernen, dass er später die Regelschule besuchen und vielleicht sogar studieren kann.

 

Vor fünf Wochen hatten Chirurgen Tung Lam und weiteren Kinder die Cochlea-Implantate von Advanced Bionics eingesetzt. Heute ist der Tag der Aktivierung.

Vor fünf Wochen hatten Chirurgen Tung Lam und weiteren Kinder die Cochlea-Implantate von Advanced Bionics eingesetzt. Heute ist der Tag der Aktivierung.

Einzige Hoffnung: Cochlea-Implantate

Tung Lam kam als Frühchen zur Welt. Schon bald merkten die Eltern, dass mit seinem Hörvermögen etwas nicht stimmt, sagt sein Vater Bao Ngoc: „Tung Lam reagierte überhaupt nicht auf Geräusche wie Händeklatschen oder das Zuschlagen einer Tür. Wir hätten allerdings nie gedacht, dass der Hörverlust so gravierend ist.“ Eine Untersuchung zeigte, dass Tung Lam auf beiden Ohren fast nichts hört. Hörgeräte reichen in einem solchen Fall nicht aus. Die einzige Hoffnung: Cochlea-Implantate. Doch wie in vielen Ländern gibt es in Vietnam keine Krankenversicherung oder staatliche Unterstützung für solche Hörimplantate. Für Tung Lams Familie waren die Kosten unerschwinglich. Sie liessen ihren Sohn erst einmal mit Hörgeräten ausstatten, damit er wenigstens ein paar Geräusche wahrnehmen konnte. Ausserdem begann Tung Lam mit einer Sprachtherapie, in der er schnell Fortschritte machte.

Lams Sprachtherapeutin erzählte den Eltern dann vom gemeinsamen Hilfsprogramm „CI Vietnam” der Hear the World Foundation und der Global Foundation for Children with Hearing Loss. Nun ist ihr Sohn eines von zehn Kindern, denen die Hear the World Foundation im Rahmen des Programms „CI Vietnam“ die neuesten Cochlea-Implantat-Systeme von Advanced Bionics sowie die Kosten für die Untersuchungen und die Operation finanziert.

 

Vor lauter Glück bin ich in Tränen ausgebrochen und meine Hände zitterten so stark, dass ich gar nichts mehr halten konnte.

Tung Lams Mutter Mai

 

Tung Lams Mutter Mai erinnert sich an den Moment, als sie erfuhr, dass ihr Sohn für das Programm ausgewählt wurde: „Ich erhielt den Anruf während der Arbeit. Vor lauter Glück bin ich in Tränen ausgebrochen und meine Hände zitterten so stark, dass ich gar nichts mehr halten konnte. Alle meine Arbeitskollegen gratulierten und freuten sich mit mir.“

Es ist das erste Projekt dieser Art in Vietnam, das Cochlea-Implantat-Systeme spendet und darüber hinaus eine umfassende, langjährige Nachversorgung bietet. „Wir engagieren uns in Vietnam bereits einige Jahren“, sagt Elena Torresani, Director Hear the World Initiative: „Seit 2010 arbeiten wir erfolgreich mit unserer Projektpartnerin, der Global Foundation for Children with Hearing Loss (GFCHL), zusammen. Die GFCHL bildet in Vietnam lokale Fachkräfte als Sprachtherapeuten aus. Diese werden die Kinder und deren Familien beim Sprechen lernen unterstützen. Das lokale Fachwissen ist unerlässlich, damit die Kinder ihr Sprachvermögen entwickeln können.“

 

Teamwork: Beim Hilfsprojekt arbeiten Freiwillige von verschiedenen Sonova Marken, die Hear the World Foundation sowie die Global Foundation for Children with Hearing Loss zusammen.

Teamwork: Beim Hilfsprojekt arbeiten Freiwillige von verschiedenen Sonova Marken, die Hear the World Foundation sowie die Global Foundation for Children with Hearing Loss zusammen.

Langfristige Nachsorge als zentrales Element

Nach der Aktivierung des CI kann Tung Lam zwar hören, doch nun beginnt für seine Familie eine Zeit intensiven Trainings. Während normal hörende Kinder ganz selbstverständlich anfangen zu plappern, muss Lam erst lernen, Geräusche voneinander zu unterscheiden und er muss das Sprechen üben. Ein Jahr lang erhält er eine Sprachtherapie von den vietnamesischen Fachleuten. Tung Lam soll so gut sprechen lernen, dass er später eine normale Schule besuchen und sich altersentsprechend entwickeln kann. Wichtig für den Lernerfolg sind auch die Eltern. Sie werden im Umgang mit dem Cochlea-Implantat geschult und erhalten Tipps, wie sie ihr Kind auf spielerische Art und Weise unterstützen können.

Apryl Sweat, Director Global Sales Development bei Advanced Bionics und Mitglied des Hear the World Stiftungsrats, hat Tung Lam und seine Eltern im Rahmen des Hilfsprojekts in Vietnam kennengelernt: „Ich war beeindruckt, wie schnell Tung Lam auf Geräusche reagiert hat und wie seine Eltern ganz natürlich wussten, wie sie am besten mit ihm kommunizieren können. Sofort haben sie mit Spielen losgelegt, die seine Hör- und Lernfähigkeiten fördern. Genau so wird das Leben mit einem Cochlea-Implantat zu einer Erfolgsgeschichte.“

 

Auf spielerische Art und Weise lernt Tung Lam zu sprechen.

Auf spielerische Art und Weise lernt Tung Lam zu sprechen.

Audiologen von Sonova Vietnam bieten den Familien eine langfristige kostenlose audiologische Nachversorgung an. Dies sei ein entscheidender Faktor und das wichtigste Element bei diesem Projekt, sagt Sunil Kapoor, Director Südostasien bei Advanced Bionics und Volunteer von Hear the World. Er ist seit 15 Jahren im Unternehmen und kennt Vietnam und die Verhältnisse vor Ort genau. Er koordiniert beim Hilfsprojekt die verschiedenen involvierten Personen und Stellen. Die Spende eines Cochlea-Implantat-Systems ist eine sehr komplexe Angelegenheit, was die Logistik, die Operation und vor allem die Nachversorgung anbelangt.

Nach der Aktivierung müsse man sicherstellen, dass die gesamte Familie mit den Herausforderungen zurechtkomme, die sich durch das Cochlea-Implantat ergeben, erklärt Sunil Kapoor: „Der Austausch eines einzelnen Kabels kostet beispielsweise rund 100 US-Dollar. Wenn die Eltern im Monat knapp 300 US-Dollar verdienen, ist das eine enorme Summe. Es darf nicht sein, dass ein Kind sein Implantat nach ein paar Jahren nicht mehr nutzen kann, weil etwas kaputt geht und die Familie sich die Reparatur nicht leisten kann.“ Darum sorgen die involvierten Organisationen bei diesem Projekt dafür, dass die Kinder bis zum Erwachsenenalter versorgt werden. In dieser Zeit erhalten die Familien alles nötige, damit ihre Kinder mit dem Cochlea-Implantat hören und sprechen lernen können. Nach diesen rund 15 Jahren sollten sie ihr Cochlea-Implantat auch selbständig anwenden und pflegen können. Alle diese Anstrengungen verfolgen das gleiche Ziel: Den Kindern ein Leben ohne Einschränkungen zu ermöglichen.