03/02/2026 | 16:35 CET |
In den letzten Jahren hat sich viel getan: „Tinnitus ist kein Tabuthema mehr“, sagt Maren Stropahl, Senior Director Holistic Hearing Care bei Sonova. „Immer mehr Menschen sprechen offen darüber, z.B. auch bekannte Persönlichkeiten wie Musiker oder Sportler. Das entlastet Betroffene und senkt die Hemmschwelle, sich Hilfe zu holen.“ Rund 15% der erwachsenen Bevölkerung hören permanent Geräusche, die niemand sonst wahrnimmt.1 Doch nicht alle leiden darunter. Entscheidend sei, wie stark der Tinnitus das emotionale Wohlbefinden beeinflusst.
Ganzheitlich denken, persönlich handeln
Für Sonova ist Tinnitus längst Teil einer umfassenden Hörgesundheit. „Unser Ziel ist, dass jeder Mensch die Freude des Hörens erlebt, unabhängig davon, ob eine Hörminderung oder Tinnitus vorliegt“, erklärt Raffael Schmitt, Researcher Health and Hearing Sciences bei Sonova. Dafür setzt das Unternehmen auf geschulte Fachkräfte und innovative Lösungen: „Fast alle unsere Hörgeräte enthalten bereits Funktionen zur Tinnituslinderung. Ergänzend bieten wir mit der SilentCloud™-App eine digitale Begleitung an, die Aufklärung, Klangprogramme und verhaltenstherapeutische Elemente beinhaltet.“
Forschung trifft Alltag
Sonova selbst arbeitet eng mit führenden Tinnitus-Zentren weltweit zusammen. Ziel ist, neue Erkenntnisse in praxistaugliche Produkte und Beratungskonzepte zu überführen. „Tinnitus ist sehr heterogen. Deshalb braucht es personalisierte Ansätze, die datenbasiert und anpassbar sind“, so der Forscher. Künstliche Intelligenz könne künftig helfen, Therapien gezielter zu gestalten und Fortschritte in Echtzeit zu erfassen.
Mehr als Technik: Beratung als Schlüssel
„Die beste Technik entfaltet nur dann Wirkung, wenn sie von guter Beratung begleitet wird“, betont Maren Stropahl. Neben HNO-Ärztinnen und -Ärzten seien Hörakustik-Fachgeschäfte oft die erste Anlaufstelle und die Expertinnen und Experten vor Ort bieten Raum für Beratung und Aufklärung. Neben der Hörversorgung gehört heute auch Aufklärung über Stressbewältigung und den Einfluss des Tinnitus auf beispielsweise den Schlaf oder die Konzentration dazu. Denn: „Tinnitus ist kein reines Ohrthema, sondern ein Zusammenspiel aus Wahrnehmung, Emotionen und Lebensstil.“
Ein Blick in die Zukunft
Bis 2030 wünschen sich Maren Stropahl und Raffael Schmitt eine niederschwellige, digital- und datenunterstützte Versorgung von Individuen mit Tinnitus. Diagnose, Hörlösung, patienten-orientierte Betreuung und Selbsthilfe sollen nahtlos ineinandergreifen. „Hörgeräte und Apps wie SilentCloud™ könnten sich zukünftig situativ an die jeweiligen Bedürfnisse anpassen und somit eine individuelle Behandlung ermöglichen “, erklärt Raffael Schmitt.
Was beide in ihrer Forschung und Arbeit antreibt? „Wir wollen Menschen Lebensqualität zurückgeben“, sagen sie. „Wenn Tinnitus-Patientinnen und -Patienten nicht mehr zu hören bekommen, dass man nichts für ihren Tinnitus tun kann, wissen wir, dass wir unser Ziel erreichen, Menschen mit Tinnitus individuell zu begleiten und ihre Lebensqualität zu verbessern.“
Quelle:
1Jarach, C. M., Lugo, A., Scala, M., van den Brandt, P. A., Cederroth, C. R., Odone, A.,…Gallus, S. (2022). Global prevalence and incidence of tinnitus: a systematic review and meta-analysis. JAMA Neurology, 79(9), 888–900. https://doi.org/10.1001/jamaneurol.2022.2189