Die Fliege: Eine Wippe für ein einzigartiges Gehör

Die Fliege: Eine Wippe für ein einzigartiges Gehör

Sie besitzen eines der genauesten und effizientesten Gehörsysteme im Tierreich: Die Präzision, mit der die Fliegenart Ormia Ochracea Geräuschquellen orten kann, ist unerreicht. Deshalb versuchen Forscher, ihr Gehör nachzubauen und so auch Menschen mit Hörverlust zu helfen.

In der Natur geht es laut zu – zumindest für ein Fliegenohr. Trotzdem erkennt die Fliegenart Ormia ochracea genau, woher etwa das Zirpen einer Grille kommt. Forscher der University of Texas haben herausgefunden, dass eine biegsame Wippe in ihrem Kopf das ermöglicht: Trifft eine Schallwelle auf die Wippe, verformt sich diese Wippe und kippt auf die Seite. So kann die Fliege erkennen, dass es sich um das Zirpen einer Grille handelt und woher es kommt.

Die genaue Lokalisation ist in der Tierwelt einzigartig: Obwohl ihre Hörorgane nur einen halben Millimeter auseinander liegen, bestimmen sie die Richtung eines Geräusches auf zwei Grad genau. Wie erstaunlich das ist, wird klar, wenn man daran denkt, wie Richtungshören normalerweise funktioniert: Das Gehirn registriert, wie viel später der Schall bei dem der Quelle abgewandten Ohr ankommt und wie groß der Lautstärkeunterschied zwischen den Ohren ist. Dazu brauchen die beiden Ohren aber einen gewissen Abstand: Der Schalldruck nimmt mit der Entfernung ab. „Das Fliegenohr ist im Prinzip ein cleveres Richtmikrofon“, erklärt Stefan Launer, Sonovas Experte in Sachen Hörforschung und Senior Vice President Science & Technology.

Und seine Funktionsweise könnte deshalb auch Menschen mit Hörverlust nutzen und dabei helfen, dass diese entscheidende Geräusche wie zum Beispiel eine Stimme aus der umgebenden Geräuschkulisse herausfiltern können. „Das Problem ist, dass das Fliegenohr für einen höheren Frequenzbereich ausgelegt ist, als wir es im Hörgerät brauchen. Deshalb untersuchen wir, wie das Prinzip und die Mechanik adaptiert werden und in den richtigen Frequenzbereich übertragen werden kann“, sagt Launer. Zwar müsse man einsehen, dass diese Funktionsweise sich nicht direkt übertragen lasse. „Aber es lohnt sich, solche Systeme zu verstehen. Es ist sehr inspirierend und bringt einen oft auf ganz andere Gedanken und Ansätze.“

Schon jetzt gibt es für Hörgeräteträger eine dezente und wirksame Möglichkeit, um Stimmen zu fokussieren – zum Beispiel mithilfe des Roger Pens von Phonak . Der Roger Pen ein drahtloses Mikrofon für die Arbeit und zu Hause, das beste Sprachverständlichkeit in lauten Umgebungen und über Distanz ermöglicht und Bluetooth-Konnektivität bietet.